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Verständlichkeit der Parteiprogramme zur Bundestagswahl 2013

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von Dr. Anikar Haseloff

Gezeichnete Artikel geben die Ansicht des Verfasser wieder und entsprechen nicht immer der Meinung der Redaktionsmehrheit des WIKIa.

Bundestagswahl 2013: Parteiprogramme sind meist unverständlich

Die Ulmer H&H Communication Lab GmbH hat gemeinsam mit der Universität Hohenheim die Verständlichkeit der Parteiprogramme für die Bundestagswahl im September untersucht. Ernüchterndes Ergebnis: Die Wahlprogramme sind insgesamt noch unverständlicher als bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren.

Die Verständlichkeit der Bundestagswahlprogramme von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen, Linkspartei und Piratenpartei ist im Vergleich zu 2009 weiter gesunken: Die Wahlprogramme erzielten nur 7,7 Punkte - 2009 lag der Mittelwert noch bei 9,0 Punkten.

Bewertet wird die Verständlichkeit mit dem Hohenheimer Verständlichkeits-Index (HIX). Dessen Punkte-Skala reicht von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). In diese Wertung fließen unter anderem der Gebrauch von zu langen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern ein. Zum Vergleich: Doktorarbeiten erzielen durchschnittlich einen Wert von 4,7. Die Politik-Beiträge in der Bild-Zeitung liegen bei 16,8. Für diese Sprach-Messungen hat das Communication Lab die Software TextLab entwickelt, die Texte auf Knopfdruck anhand wissenschaftlicher Kriterien auf deren Verständlichkeit überprüft.

„Die Parteien verpassen mit diesem Ergebnis eine Chance auf mehr Bürgernähe und Transparenz“, so Dr. Anikar Haseloff, Geschäftsführer des Communication Lab. „Wir glauben außerdem, dass das Ergebnis auch Einfluss auf die Glaubwürdigkeit hat: Denn wie sollen die Bürger den Parteien glauben, wenn sie ihre Wahlprogramme noch nicht mal verstehen? Dafür haben wir einige sehr plakative Beispiele gefunden: Bei einer Partei war es ein Bandwurmsätze mit 71 Wörtern, bei einer anderen war es ein Wort-Monster wie ‚ Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz‘.“

Grüne, SPD, FDP und die Piraten haben sich alle in der Verständlichkeit verschlechtert. Während die Grünen 2009 noch das verständlichste Wahlprogramm hatten, mussten sie sich jetzt mit Platz 2 begnügen. Insgesamt am schlechtesten schnitt das Programm der Piraten mit 5,8 Punkten ab. Grund dafür sind besonders viele englische Wörter und Insider-Begriffe, beispielsweise „Comprehensive Test Ban Treaty“ oder „Privacy-by-Design“. CDU/CSU und Linkspartei konnten gegen den Trend die Verständlichkeit ihrer Wahlprogramme steigern. Das Programm der Union schnitt in diesem Jahr mit einem Wert von 9,9 Punkten am besten ab. Dass die Parteien auch verständlich kommunizieren können, zeigt der Vergleich mit den Kurzfassungen der Wahlprogramme. Diese erzielten alle einen besseren Durchschnittswert als die jeweiligen Langfassungen.

Hürden für die Verständlichkeit sind auch die Vielzahl an Fremd- und Fachwörtern, die alle Parteien ohne Erklärung in ihren Texten verwenden: „Subsitutionstherapie“ bei der Linkspartei oder „Sharing Community“ bei der Union sind nur zwei Beispiele. Dieser Gebrach von Fachsprache schließt vor allem Leser ohne politisches Fachwissen und ohne akademische Ausbildung von politischer Teilhabe aus. Ähnliche Effekte hat auch der häufige Gebrauch von Wortzusammensetzungen - zum Beispiel „Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“ bei den Grünen. Auch Nominalisierungen - also die Verwendung von Substantiven statt Verben - wirkt sich negativ auf die Verständlichkeit aus: zum Beispiel „Umweltverträglichkeitsprüfungen“ bei der Linkspartei. Bei allen Parteien fanden die Sprach-Forscher auch zu lange Sätze mit mehr als 50 Wörtern, die einen Text insgesamt schwer verständlich machen.

„Um herauszufinden, womit sich die Parteien am meisten beschäftigen, haben wir darüber hinaus eine Begriffsanalyse durchgeführt“, erklärt Oliver Haug vom Communication Lab. „ Dabei ist aufgefallen, dass der Begriff ‚Mensch‘ bei allen Parteien im Mittelpunkt steht. Die Oppositionsparteien verwenden auch auffallend oft die Begriffe ‚müssen‘ und ‚sollen‘. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Piratenpartei und die Linkspartei sehr um sich selbst kreisen und sich besonders häufig selbst nennen - vor vier Jahren ist diese Art der Selbstbeschäftigung besonders bei der FDP aufgefallen.“

„Das Thema Verständlichkeit scheint bei den politischen Parteien noch keine wirkliche Relevanz zu haben - damit sorgen sie dafür, dass die Kluft zwischen Politikern und Bürgern größer wird und die Zahl der Nichtwähler zunimmt“, ergänzt Dr. Anikar Haseloff. „Dabei können die Parteien ebenso wie Behörden, Ämter oder Unternehmen mit einfachen Mitteln für mehr Klarheit und Transparenz sorgen. TextLab beispielsweise ist ein Werkzeug, das Verstöße gegen die Verständlichkeit mit einem Klick anzeigt und Vorschläge macht, wie Texte besser und verständlicher formuliert werden können.“

H&H Communication Lab GmbH Dr. Anikar Haseloff

Am Hindenburgring 31,  D-89077 Ulm, Tel. 0731-932 84 12 Fax: 0731-932 84 21 E-Mail: presse@comlab.de

Web: www.comlab.de

Über die H&H Communication Lab GmbH

Die H&H Communication Lab GmbH ist ein inhabergeführtes Institut für Verständlichkeit. Als Ausgründung der Universität Hohenheim und Universität Augsburg entwickelt es seit 2006 Lösungen zur Verbesserung der Kommunikation von Unternehmen. Hierzu werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt und eigene Forschungen betrieben. Das Institut hat sich auf die Analyse, Bewertung und Optimierung von Kommunikation spezialisiert. Es berät Unternehmen in allen Fragen rund um die kundenfreundliche und verständliche Informationsvermittlung. Individuell entwickelte Strategien ebnen den Weg zu einer hochwertigen und verständlichen Unternehmenssprache. Die Verwendung moderner Technologien unterstützt dabei, die Sprachprozesse besser zu steuern. Das Institut ist in den verschiedensten Branchen tätig, denn Verständlichkeit und qualitativ starke Kommunikation ist branchenübergreifend ein zentrales Thema. Besonders stark werden die Finanz- und Versicherungsbranche, Verwaltung und Pharmaindustrie bedient. Zu den Kunden zählen DAX-Konzerne, Finanzkonzerne und Verwaltungen, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen.

Über TextLab TextLab ist eine Sprach-Software, mit der Texte per Knopfdruck auf Verständlichkeit, Terminologie und Sprachstil analysiert werden können. Die Funktionen basieren auf wissenschaftlichen Methoden und Verfahren. Das Programm ist vielseitig einsetzbar und auch für Nutzer ohne technisches Spezialwissen einfach zu bedienen. TextLab bewertet die Qualität der Texte und ermittelt, ob sie für die jeweiligen Zielgruppen geeignet sind. TextLab deckt Schwachstellen im Text auf, liefert Hinweise zur Optimierung und unterstützt bei der Verbesserung. TextLab hilft dabei, die Unternehmenssprache kontrolliert umzusetzen (Corporate Language).Die Entstehung von TextLab ist eine Geschichte, bei der wissenschaftliche Methodik und eine praxisrelevante Aufgabenstellung zu einem innovativen Produkt geführt haben. Zunächst wurde TextLab für die Prüfung und objektive Bewertung der Verständlichkeit von medizinischen Beipackzetteln entwickelt. Einsatzgebiet war die behördliche Zulassung von Arzneimitteln, bei welcher der Beipackzettel nachweislich auf Verständlichkeit geprüft werden muss. Inzwischen ist TextLab eine einzigartige und vielseitig einsetzbare Software-Lösung. TextLab wird in enger Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim laufend verbessert und weiterentwickelt.

Quelle:

Dr. Anikar Haseloff

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