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Politiker wollen Erwärmungspause aus Klimareport verbannen

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von Axel Bojanowski

Gezeichnete Artikel geben die Ansicht des Verfasser wieder und entsprechen nicht immer der Meinung der Redaktionsmehrheit des WIKIa.

Kommende Woche verhandeln Forscher und Regierungsvertreter über den Welt-Klimareport. Nach SPIEGEL-Informationen wollen deutsche Delegierte die Pause bei der Erderwärmung aus der Zusammenfassung des Berichts heraushalten - sie geraten in Streit mit Wissenschaftlern.

Hamburg - Vor den Verhandlungen zum Uno-Klimareport, die nächste Woche in Stockholm stattfinden, ist es nach Informationen des SPIEGEL zwischen Politikern und Wissenschaftlern zu Spannungen gekommen. Gegen den Widerstand vieler Forscher wollen insbesondere Delegierte der Bundesregierung das Stocken der Erwärmung in den letzten 15 Jahren aus der Zusammenfassung des neuen IPCC-Reports heraushalten. Allenfalls eine "Verlangsamung des Temperaturanstiegs" soll zugegeben werden, die "wissenschaftlich nicht relevant" sei.

Die weltweit durchschnittliche Lufttemperatur ist seit 15 Jahren nicht weiter gestiegen, die Forschung spricht vom "Hiatus" der Erwärmung, also von Pause oder Lücke. Vermutlich habe überraschend der Pazifik mehr Wärme geschluckt als erwartet, meinen Wissenschaftler. Auf der Konferenz in Stockholm soll in geheimen Sitzungen aus dem tausend Seiten umfassenden Klimabericht eine 30 Seiten lange Zusammenfassung für Politiker ausgehandelt werden. Um die darin enthaltende Botschaft zu beeinflussen, schicken die Regierungen Vertreter aus ihren zuständigen Ministerien; die deutschen Delegierten werden vom Umwelt- und Forschungsministerium entsandt.

Führende Forscher widersprechen den politischen Delegierten. Jochem Marotzke, Präsident des Deutschen Klima Konsortiums und wissenschaftlicher Spitzenvertreter bei den Verhandlungen in Stockholm, verspricht: "Wir werden dieses Thema frontal angehen." Der Uno-Klimarat IPCC müsse sich einer Diskussion über den Temperaturstillstand stellen. Der IPCC hatte mehr Transparenz versprochen, als vor drei Jahren haarsträubende Fehler im letzten Sachstandsbericht aus dem Jahre 2007 bekannt wurden. Als Konsequenz aus dem Skandal sollten auch Interessenkonflikte künftig vermieden werden. Aber noch immer wirken nach SPIEGEL-Informationen Wissenschaftler führend am IPCC-Bericht mit, die zuvor für Umweltverbände gearbeitet haben. Unter ihnen sind mindestens zwei "koordinierende Leitautoren", die für einzelne Kapitel des Klimareports verantwortlich sind.

Einen dramatischen Meinungsumschwung zum Klimawandel hat eine Umfrage im Auftrag des SPIEGEL ermittelt: Die Deutschen haben demnach keine Angst mehr vor den Folgen des Klimawandels. Fürchtete sich 2006 noch eine klare Mehrheit von 62 Prozent der Deutschen vor der globalen Erwärmung, ist es jetzt nur noch eine Minderheit von 39 Prozent.

Quelle:

Spiegel online (SPON), Zugang Freitag, 20.09.2013

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